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1. Wie lange gibt es das Projekt „Mut gegen Gewalt“ bereits, und wer hat es ins Leben gerufen?

Das Projekt gibt es bereits seit Mitte 1999. 1999 ist im Präventionsrat die Idee entstanden. Das Stadtplanungsamt hatte seinerzeit ein EU-Projekt laufen mit Bebauungsdingen in erster Linie – Konrad-Adenauer-Platz als Stichwort – und in diesem Zusammenhang war es möglich, Gelder für Kriminalprävention zu bekommen und dieses Geld haben wir umgesetzt unter dieser Überschrift „Mut gegen Gewalt“.


2. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, so ein Projekt zu starten?

Zunächst haben wir gewusst, dass Geestemünde ein gefördertes Gebiet ist, d.h. wir haben uns als Schritt überlegt, im Polizeirevier Geestemünde zu fragen, was es eigentlich an Problemen in diesem Stadtteil gibt – aus polizeilicher Sicht zunächst mal. Und die Kollegen haben uns gesagt, es wird immer mehr weggeschaut, es sind immer weniger, die sich als Zeugen zur Verfügung stellen und damit haben wir als Polizei auch immer weniger die Möglichkeit, Straftaten aufzuklären und für Sicherheit zu sorgen. Und das war für uns der Ansatz letztlich zu sagen: „Zivilcourage ist ein wichtiges Element, das geht alle Bürger an und da müssen wir was tun“.


3. Um was geht es bei diesem Projekt?

Ja, wie schon gesagt, Zivilcourage ist das Stichwort. Gewalt ist das, was dahinter steht. Gewalt ist immer häufiger anzutreffen- in dem Stadtteil, in der Schule, in Vereinen ... - und gegen diese Gewalt wollen wir auf unterschiedlichsten Ebenen, mit unterschiedlichsten Institutionen vorgehen. Es ist kein Polizeiprojekt, sondern jede Institution dieses Stadtteils hat die Chance, die Möglichkeit sich einzubringen, eigene Ideen zu entwickeln: Wie kann ich Zivilcourage verbessern? Wie kann ich diesen Gedanken weitertragen, wie kann ich also helfen, dass anderen geholfen wird bzw. das dieses Prinzip zu helfen wieder zum Leben gerufen wird?


4. Gibt es Gründe, warum das Projekt in Geestemünde läuft und nicht schwerpunktmäßig in anderen Stadtteilen Bremerhavens?

Die EU gibt uns gewisse Regeln vor, d.h. das Fördergebiet ist letztlich Geestemünde, speziell sogar nur „Geestendorf“ und damit haben wir den geographischen Raum, den die EU für uns begrenzt, was aber nicht heißt, dass wir der Auffassung sind, Zivilcourage wäre nur dort nötig, sondern wir betrachten es als Pilotprojekt, als ein Ort, wo wir eine neue Pflanze säen und hoffen, dass wir über diesen Weg die ganze Stadt mit dem Thema irgendwann im Laufe der Zeit infizieren können.


5. Was ist bisher schon an Aktionen gelaufen?

Gestartet wurde das ganze Projekt während des fast schon traditionellen Blütenfestes in Geestemünde. Dort haben wir die ersten Flyer verteilt, sind mit dem Bürger ins Gespräch gekommen. Wir haben dort Straßentheaterszenen mit dem Jugendtheaterclub spielen lassen und davon einen Film gedreht, der immer mal wieder zu diesem Thema im Offenen Kanal gezeigt wird.
In der Folge haben wir ein 3-Phasen-Modell als Konzept entwickelt. Die Phase 2 läuft zur Zeit: Ein Projekt ist hier gerade sozusagen in der Entstehung. In der Phase 1 sind eine Reihe von Projekten vor allen Dingen in Schule entstanden, in den drei Grundschulen, die in diesem Gebiet vorhanden sind – Allmerschule, Gorch-Fock-Schule und Johannesschule. Es geht in erster Linie darum, Mediation, also Streitkultur zu üben, weil das offensichtlich heutzutage zu kurz kommt und den Gedanken weiterzutragen, möglichst mit entsprechenden Werbematerialien, mit Logos, wie wir auch eins entwickelt haben für diese Aktion. Wir hoffen über diese vielen Projekten ins Gespräch zu kommen und das Thema zu transportieren.


6. Was stellt der Aufkleber dar?

Ja, das ist eine gute Frage. Zunächst will ich noch mal anders antworten. Wir haben einen Wettbewerb gemacht, einen Logowettbewerb, weil die Verantwortlichen, die zusammengekommen sind diese Sache zu machen, gesagt haben, wir brauchen eine Identifikation für dieses Projekt und zwar eine eigene. Es gibt viele Logos zu diesem Thema, aber Geestemünde wollte ein eigenes haben. Dann haben wir einen Wettbewerb gemacht, über die Nordsee-Zeitung ausgeschrieben und der erste Preis ging aus einer Jury gewählt mit Frau Havliza vom Designlabor an der Spitze an dieses Logo. Dieses kann man zweierlei deuten: Zum einen der maritime Aspekt: Es kann ein Schiff symbolisieren, was mit Bremerhaven in Verbindung steht, zum anderen einen Davidstern, der gegen Fremdenfeindlichkeit zum Beispiel auch ein Symbol entwickelt und „Mut gegen Gewalt“ als Slogan ist, glaube ich, selbsterklärend.

7. Welche weiteren Aktionen sind noch geplant?

Wir haben weiter das große Theaterprojekt, was der Schauspieler Martin Kemner seit dem letzten Jahr betreut. Es wird in diesem Jahr noch Werkschauen zu diesem Stücke geben. „Gib mir den Saft“ hieß es im letzten Jahr. Wie es dieses Jahr heißen wird, weiß ich nicht. Dann wird die Sozialkompetenz der Lehrer der Grundschulen dieses Bereiches weiterhin verstärkt, also Streitschlichtung soll an Grundschule etabliert werden. Sämtliche Grundschullehrer in diesem Bereich sollen zu diesem Thema eine Ausbildung erhalten. Wir haben dieses Internetprojekt ins Leben rufen lassen – wie gesagt- wir sind nicht die Ideengeber, sondern es gibt Ideen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Das neuste Projekt, was wahrscheinlich in Kürze auf den Weg gebracht wird, ist eine Elternselbsthilfegruppe zum Thema „Gewalt“ vor allen Dingen an Schulen. Da kann ich noch nicht ganz viel zu sagen, das ist noch in der Entstehung, aber es klingt schon mal spannend. Ja und wir werden sicher eine Reihe von anderen Projekten machen, die zum Beispiel auch kein Geld kosten müssen. Wir hoffen auch stets auf die eigenen Ideen und Phantasien zu diesem Thema. Vielleicht noch ein Projekt, was auch schon einen gewissen internationalen Touch bekommt. Frau Schmeckies hat ein Projekt bei uns eingereicht, was sich mit Shamil Adams beschäftigt, der aus Südafrika zu uns nach Bremerhaven kommen wird, in mehreren Schulen das Thema diskutieren wird, beim Schülerrundfunk/ an Radiosendungen mitwirken wird und die „Nacht der Jugend“ im Dienstleistungszentrum Grünhöfe mitgestalten wird.

Können Sie schon sagen, was in der 3. Projektphase laufen wird?

Wir haben nur eine Überschrift. Es geht noch mal um öffentlichkeitswirksame Aktionen, so ist es überschrieben. Was sich dann dahinter verbergen wird, steht noch nicht fest. Wir sind völlig offen und wir werden im Sommer, denke ich, wenn die Phase 2 zuende geht und auch wieder wissenschaftlich begleitet wird und abschließend beurteilt wurde, wird die 3. Phase bestückt.

8. Welche Erfolge erwarten Sie persönlich ?

Ich denke, es ist schwierig, Erfolge zu messen und das wird auch keiner tun, von denen, die sich in dieser Sache engagieren. Ich glaube aber, dass diese vielen Projekte schon eins bewirkt haben: Es sitzen ganz viele Menschen aus unterschiedlichsten Institutionen an einem Tisch und reden über eine gemeinsame Sache - was es vorher nicht gegeben hat und was es sonst mit Sicherheit auch niemals gegeben hätte. Das, denke ich, ist schon ein großer Erfolg und da bin ich mir auch sicher, dass sich das auch fortsetzen wird. Also, das gemeinsame Gespräch, das gemeinsame Planen, Ideen entwickeln, um sie als Verantwortliche in den Stadtteil/ Stadt rein zu bringen. Das sehe ich als Erfolg an. Das ist das, was mir auch an der Sache besonders Spaß macht.


9. Wie schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass dieses Projekt auch bundesweit laufen könnte?

Ich denke, das Projekt kann jeder Zeit auch anderweitig aufgegriffen werden und Zivilcourage-Projekte selbst gibt es natürlich auch überall schon. Der Vorteil hier ist letztlich, dass man eine Möglichkeit hatte, an Geld zu kommen, was nicht von der Stadt, nicht vom Kreis, nicht vom Land bezahlt wurde, sondern von der EU und was nicht einer einzelnen Institution zugeschlagen wird, sondern wir haben hier eine Mehrzahl von Bereichen, die sich hier einbringen, Projekte eingeben, die dafür aber auch verantwortlich sind. Also es ist nicht so, dass man mal eben ein Projekt beantragen kann und dann guckt keiner drauf, ob das Geld auch richtig ausgegeben wurde, sondern es wird schon zielgerichtet ausgegeben. Das das Ganze schon ein relatives Novum ist, macht vielleicht auch deutlich, dass wir in im Mai diesen Jahres mit einer kleinen Delegation zum Deutschen Präventionstag nach Stuttgart reisen und unsere Projekte vorstellen werden.